Genealogie der Familie Hanussek aus Schlesien

Nach uralter Sitte werden Namen von Stammvätern nicht deutlich von Städte- oder Gemeindenamen unterschieden.

Meine Forschung gilt hauptsächlich dem Namen HANUSSEK.



Die Ortschaft HANUSSEK

Ortsname deutsch: HANUSSEK.
Ortsname heute (polnisch): HANUSEK.

Quelle:
Amtliches Gemeinde- und Ortsnamenverzeichnis der Deutschen Ostgebiete.
Verlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen von 1955, Seite 130

alter Gemeindename: Hanussek
neuer Gemeindename: Stollenwasser seit dem 12.02.1936 bis 1945.

Ab 1945 zu Polen unter dem alten Namen doch nur mit einem “S”.
HANUSEK ist bis heute der gültige Name dieser Ortschaft in der Gemeinde Tworog.

Im Internet unter http://www.tworog.pl/

Geschichte der Entstehung und Einführung des Ortsnamen

HANUSSEK - Kleines Dorf am Wege von Tarnowitz nach Lublinitz, 6 km südöstlich von Horneck (heute Tworog). Die Eisenschmiede in HANUSSEK wird erstmals im Jahre 1417 erwähnt. Mehr auf der polnischen Internetseite http://izbaboruszowice.w.interia.pl/,

HANUSSEK - Dorf am Fluß Stola, (vor 1945 hieß dieser Fluß Stollenwasser - daher auch die Umbenennung in Stollenwasser) am Rande der alten Verbindungs- und Handelswege zwischen Kleinpolen und Schlesien. Hier wurde eine Eisenschmiede angelegt, die erstmals im Jahre 1417 erwähnt wurde und bis zur ersten Hälfte des XIX Jahrhunderts überdauerte. Der Dichter Walenty Rozdzienski schreibt in seinem Poem „Skizzen der Geschichte vom Hüttenwesen und Eisen in Oberschlesien“ u.a. folgendes: am Fluß Stola, einem Nebenfluß der Malapane, entstanden im XV Jahrhundert mehrere Eisenschmieden mit weiteren Verarbeitungswerkstätten, den sogenannten „Officinas ferri“.
Eine dieser Eisenschmieden, die man „Kleinwerk“ nannte, war die älteste Eisenproduktionsstätte in Schlesien.

Von dieser Eisenschmiede stammt auch die erste Bezeichnung des Ortes und zwar KLEINWERK. Den neuen Namen des Ortes HANUSSEK findet man im Gründungsdokument der Pfarrei Horneck (polnisch Tworog). In diesem Dokument steht u.a. daß dank dem Herren und Besitzer von Horneck Schloß und Land, der Graf Jan Francesco de Verdugo am 13 Juni 1687 die Gründung der Pfarrei des Hl.Antonius zu Horneck beschlossen hat.

Zur Pfarrei gehören folgende Orte: Horneck, Wüstenrode, Zylka, Brunneck, Ostwalde und Hanussek. Mit diesem Dokument wurde der Ortsname HANUSSEK offiziell im Jahre 1687 eingeführt. Mehr darüber unter http://www.kuria.gliwice.pl

Der Historiker O.Junghahn schreibt dazu: „Dem Ort Kleinwerk wurde der neue Name HANUSSEK nach dem Erbauer der ersten Eisenschmiede in Oberschlesien gegeben“. Dieser Mann mit dem Namen Georg Hanussek könnte auch mein Urahne gewesen sein.

Topographie der Ortschaft HANUSSEK in Oberschlesien

Auszug aus dem topographischen Handbuch von Oberschlesien. ( Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984 )

Die Topographie der Ortschaft HANUSSEK bezieht sich auf die Jahre der Aufzeichnung d. h. auf 1864 – 65.

Die Ortschaft HANUSSEK liegt 4 Meilen ( 1 Meile = 7,532 km ) von der damaligen Kreisstadt Tost und ½ Meile von Tworog ( später Horneck – ab 1945 wieder Tworog ) entfernt. Die Ortschaft besteht aus dem Rittergut HANUSSEK und dem Dorf HANUSSEK.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

                                                                       Einwohner in der Ortschaft HANUSSEK                                                                                                                                                   

                                                                             Jahr        1855    1861    1921    1939

                                                                       Einwohner      253      248      232      938

Das Rittergut HANUSSEK besteht aus einer Schäferei, einer Imkerei und dem Vorwerk – Pustki genannt. Das Vorwerk hat 300 Morgen Ackerland und 2500 Morgen ( 1 Morgen = 0,2553 ha ) Forst. Letzterer steht mit dem Brynneker Forst in Verbindung und besteht ebenfalls aus vorherrschend Nadelholz. Ein Zainhammer wird von dem bei Brynnek ( später Brunneck – ab 1945 wieder Brynek ) fließenden Fischbach – bzw. Stolabach, betrieben. Der Stolabach = Fischbach = Stollenwasser – heute Stola, entspringt im Süden auf den Tarnowitzer Höhen ( deshalb der Name Tarnowskie Gory ) in der Gegend von Lassowitz. Die Stola durchfließt das Rittergut HANUSSEK und ergießt sich hinter Potempa ( Wüstenrode ) in die aus dem Lublinitzer Kreise tretende Malapane einem rechten Nebenfluss der Oder. Die Länge der Stola beträgt zirka 25 km.

Das Dorf HANUSSEK besteht aus einer Mühlenbesitzung, 3 Bauer-,17 Gärtner- und 3 Häuslerstellen und einem Dominialgasthaus. Die Feldmark umfasst 447 Morgen; der Viehbestand ( 1860 ) besteht nur aus kleinem Hornvieh ( Schafe, Ziegen ). Die Schule ist in dem ½ Meile entferntem Ort Tworog. Die Landstraße von Tarnowitz nach Lublinitz führt durch den Ort HANUSSEK. Der Hüttenbetrieb in HANUSSEK und BRYNNEK ist nicht unbedeutend. Im Jahre 1862 produzierte man in dem gemeinsam errichteten Holzkohlehochofen über 20000 Zentner (1 Zentner = 53,531 kg ) Roheisen. Die Zainhütte in HANUSSEK produzierte im Jahre1863 Fünfhundert Zentner Zainen. ( Ein Zain ist ein Metallrohling, aus dem man Münzen prägt. Der Zain hat die Form einer Stange. Früher brachte man ihn mit Hämmern – Zainhammer – und Streckwerken auf Münzstärke. Heute streckt man den Zain – Stab – in modernen Walzwerken um Münzen wie z. B. den Euro oder andere Geldstücke zu produzieren.)

Die Forsten des Rittergutes HANUSSEK und des Rittergutes BRYNNEK – insgesamt 5000 Morgen – werden gemeinsam von technisch gebildeten Forstbeamten bewirtschaftet. Der vorherrschende Baum ist die Kiefer, zuweilen ist diese gemischt mit Fichte, Tanne, Buche, Eiche und Birke. Das aus dem Forst gewonnene Holz, meist Kiefer, Fichten und Birkenholz wird in Meilern verkohlt und in den Flammöfen ( polnisch – Dymarki ) der Eisenproduktionsstätte in HANUSSEK und BRYNNEK verwendet. Die landwirtschaftlichen Produkte werden meist in Tarnowitz und Beuthen an Wochenmärkten verkauft.

Das „Topographische Handbuch von Oberschlesien“ enthält umfassende und zuverlässige Ortsbeschreibungen aus dem 19. Jahrhundert. Das Buch wurde in den Jahren 1864/65 im Auftrag der Oppelner Bezirksregierung von dem Regierungs – Assessor Felix Triest bearbeitet und ist im Verlag Korn zu Breslau herausgegeben. Der unveränderte Nachdruck ist 1984 im Thorbeke Verlag, Sigmaringen erschienen.

Diese Auszüge sind von Günter Otto HANUSSEK aus Oberschlesien im Jahre 2002 zusammengestellt.